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Handwerk fühlt sich von der Politik besser verstanden PDF Drucken E-Mail

Kammerpräsident Brünger: Senkung der Lohnnebenkosten zum 1. Januar 2007 reicht aber mit Sicherheit nicht aus 

mey OSNABRÜCK. Das Handwerk fühlt sich von der Bun­despolitik seit dem Wechsel von der rot-grünen zur gro­ßen Koalition erheblich bes­ser verstanden. Das machte der Präsident der Hand­werkskammer Osnabrück-Emsland, Karl-Heinz Brün­ger, zwei Wochen nach dem Besuch von Bundeskanzle­rin Angela Merkel (CDU) auf dem Handwerkertag in Osnabrück deutlich. 

 merkel

 

 

Die Nähe zum Handwerk sucht

Bundeskanzlerin Angela Merkel,

hier mit Präsident Karl-Heinz

Brünger auf dem Hand­werkertag

in Osnabrück.  

                                             

Foto: Handwerkskammer

 

 

Mit einem „deutlichen Ja” antwortete Brünger in ei­nem Gespräch mit unserer Zeitung auf die Frage, ob die Kanzlerin ein offenes Ohr für die Wünsche und Sorgen des Handwerks habe. Schon drei Tage nach ihrer Wahl zur Regierungschefin sei Frau Merkel Gast bei der Vollversammlung des Hand­werks-Zentralverbandes(ZDH) in Düsseldorf gewe­sen. Ihr Auftritt vor den Handwerkern in Osnabrück und ihr intensiver Dialog mit den ZDH-Spitzenvertre­tern in Berlin zeugen nach den Worten Brüngers davon, dass die Kanzlerin die Be­lange des Mittelstandes und des Handwerks in ihre Über­legungen mit einbeziehe. „Das Mittelstandskonzept von Wirtschaftsminister Mi­chael Glos zielt ja auch in Richtung Handwerk”, lobte der Kammerpräsident. 

Als „großen Fortschritt” bezeichnete Brünger die von der großen Koalition erkannte Notwendigkeit einer deutlichen steuerlichen Entlastung des Mittelstandes. Dies sei „endlich in den Köp­fen der Politiker angekom­men”, sagte er. Wie die ange­kündigte Senkung der Steu­erbelastung von Personenunternehmen auf unter 30 Prozent in die Tat umgesetzt werden soll, wisse er aber noch nicht, erklärte der Kammerpräsident. Ent­scheidend sei aber, dass kleine Unternehmen wie Handwerksbetriebe nicht schlechter gestellt werden sollten als große Kapitalge­sellschaften. Das Versprechen, die Lohnnebenkosten zum 1. Ja­nuar 2007 zu senken, nimmt Brünger der Kanzlerin nach eigenem Bekunden ab. Die Senkung, die auf geringeren Zahlungen in die Arbeitslo­senversicherung beruht, sei aber „mit Sicherheit nicht ausreichend” für die Unter-nehmen. Auf Grund von Er­fahrungen, die er selbst in den Gremien der Innungs­krankenkasse gemacht habe, bezweifle er zudem, dass die gesetzliche Krankenversi­cherung 2007 mit dem von der Politik geplanten Bei­tragsanstieg um 0,5 Prozentpunkte auskommen werde, sagte der Präsident. Er sprach sich in diesem Zu­sammenhang für eine Strei­chung von Behandlungskos­ten nach Sportunfällen aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen aus. Darüber hinaus erwartet Brünger, dass die Abschaf­fung des Meisterzwangs in vielen Berufen durch die jet­zige Regierung baldmög­lichst rückgängig gemacht wird. Es sei „bedenklich, dass die Lehrstellen, die es früher zum Beispiel im Fliesenlegerhandwerk gab, heute fast überhaupt nicht mehr existieren”, sagte der Spitzenvertreter des regio­nalen Handwerks. 2005 seien im ganzen Kammerbe­zirk Osnabrück-Emsland nur noch zwei Fliesenleger-Lehrlinge eingestellt wor­den, während es früher bei nur einem Drittel der heutigen Betriebszahl zwischen 20 und 25 gewesen seien. Mit der Erhöhung der Mehrwertsteuer wird nach Ansicht des Kammerpräsi­denten auch die Schwarzar­beit im Handwerk wieder zunehmen. Diese Steuererhö­hung treffe das Handwerk mehr als andere Wirt­schaftszweige, weil sie unmittelbar auf die Arbeitskos­ten durchschlage. „Die Handwerkerstunde wird im Schnitt um rund einen Euro teurer”, sagte Brünger voraus. Helfen könnte den Handwerksbetrieben in die­ser Situation eine noch stär­kere steuerliche Absetzbar­keit haushaltsnaher Dienst­leistungen. Von Niedersachsens Mi­nisterpräsident Christian Wulff (CDU) forderte der Kammerpräsident ein „Machtwort” im Streit um die geplante Erhebung von Rundfunkgebühren auf in­ternetfähige Computer in Unternehmen. Es gehe nicht an, dass die Politik auf der ei­nen Seite auch von Hand­werkern eine Ausstattung mit moderner Technik erwarte, um etwa Buchfüh­rungs- und Steuererklä­rungsfristen einzuhalten - und auf der anderen Seite diese Technik wie Unterhal­tungselektronik betrachte. Er selbst rechne für seinen Friseursalon mit Mehrkos­ten von bis zu 230 Euro pro Jahr durch die neue Gebühr, sagte Brünger.
 
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