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Benchmarking für Handwerkskammern PDF Drucken E-Mail

Die Handwerkskammern wollen überprüfen, wie gut sie gegenüber ihren Mitgliedern aufgestellt sind, so ZDH-Generalsekretär Hanns-Eberhard Schleyer in einem Interview mit der Lausitzer Rundschau (Cottbus). Die Pilotphase für einen Benchmarking-Prozess hat begonnen.

 

Herr Schleyer, im vergangenen Jahr hat das Handwerk eine Reform seiner Organisationsstruktur beschlossen. Für die Handwerkskammern hat der ZDH jetzt ein Benchmarking, den Leistungsvergleich von Kammern angeregt. Warum gerade dieses Mittel?

Schleyer: Das Benchmarking hat sich in der Wirtschaft bewährt, eine Leistungsverbesserung zu erreichen. Wir wollen den Kammern die Möglichkeit geben zu überprüfen, wie gut sie aufgestellt sind. Daraus sollen Kennziffern entwickelt und Beispiele für "best practice" herausgestellt werden. An denen können sich alle orientieren.

Was ist das Ziel des Vergleichs?

Schleyer: Wir wollen die Leistungsfähigkeit der Organisation verbessern und die Aufgaben zwischen Kammern und Verbänden besser abstimmen. Die Betriebe müssen wissen, wo sie das für sie beste Angebot, die beste Dienstleistung abrufen können.

Werden bei der Untersuchung alle Bereiche der Handwerksorganisation bewertet?

Schleyer: Wir wollen als ersten klar abgrenzbaren Bereich die Bildungseinrichtungen auf den Prüfstand stellen. Andere Bereiche sollen folgen. Jedoch lässt sich nicht alles miteinander vergleichen. Jede Kammer ist eine autonome Einrichtung. Wichtig ist, dass wir nur Äpfel mit Äpfel und Birnen mit Birnen vergleichen.

In welchem Zeitraum sollen die Ergebnisse umgesetzt werden?

Schleyer: Wir haben jetzt die erste Phase des Reformprojektes hinter uns. Mit einem betriebswirtschaftlich erfahrenen Handwerksinstitut und einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft haben wir ein erstes Konzept aufgestellt, wie der Benchmarkprozess ablaufen könnte.

Was passiert mit den Kammern, die im Vergleich schlecht abschneiden?

Schleyer: Das Benchmarking soll eine Hilfe sein. Kammern, die Verbesserungsbedarf erkennen, werden die Ergebnisse auch nutzen.

Der Leistungsvergleich ist freiwillig. Was ist mit den Kammern, die nicht daran teilnehmen wollen?

Schleyer: In einer Pilotphase hat sich etwa die Hälfte aller Kammern in Deutschland bereit erklärt, mitzumachen. Für die anderen wird sich über kurz oder lang ein gewisser Druck ergeben. Vollversammlungen werden ihre Vorstände fragen, warum sich die Kammer nicht am Vergleich beteiligt.

Üben die Handwerksbetriebe Druck auf ihre Kammern aus, am Benchmarking teilzunehmen?

Schleyer: Das kann passieren. Gerade in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten erwarten die Handwerksbetriebe eine engagierte Leistung ihrer Interessenvertretung. Große Organisationen, und dazu gehört auch das Handwerk, müssen in einem sich verschärfenden Wettbewerbsumfeld noch stärker als früher beweisen, dass sie ihre Mitgliedsbeiträge Wert sind.

Die Handwerkskammern stehen also in einem Wettbewerb?

Schleyer: Nicht untereinander, aber mit anderen Einrichtungen. Das Dienstleistungsangebot der Kammern wie zum Beispiel der Bildungsbereich steht mit anderen Anbietern in Konkurrenz. Stillstand darf es da nicht geben, die Leistungen müssen sich stetig verbessern.

Warum gibt es gerade jetzt Reformpläne? Hat die Kritik von Handwerksbetrieben am Nutzen der Handwerkskammern damit etwas zu tun?

Schleyer: Es ist nicht so, dass wir jetzt erst über Reformen reden. Aber es gibt kritische Stimmen - bei über 900 000 Mitgliedsbetrieben wird nicht jeder Lobeshymnen singen. Sachlicher Kritik stellen wir uns. Wir stellen zum Beispiel fest, dass viele Dienstleistungen der Kammern nicht ausreichend bekannt sind. Daran müssen wir arbeiten.

Die Organisationsreform des Handwerks sieht eine bessere Betreuung der Betriebe sowie die Einsparung von Kosten vor. Wie bringt man das beides unter einen Hut?

Schleyer: Durch Kooperationen und Arbeitsteilung. Es muss nicht jeder alles machen. Man kann über Kompetenzzentren nachdenken, die dann einer bestimmten Organisation angegliedert sind - etwa einer Kammer oder einem Fachverband. Das bringt Synergieeffekte, die wir in Zukunft stärker berücksichtigen wollen.

Bedeutet das eine stärkere Abgrenzung der Aufgaben von Kammern, Innungen und anderen Verbänden?

Schleyer: Ja und nein. Synergieeffekte sind gut und wichtig. Aber es gibt auch Bereiche, wo ich erwarte, dass sowohl die Handwerkskammer wie auch die Seite der Fachverbände bestimmte Leistungen vorhalten.

Welche Aufgaben sollen Handwerkskammern in der Zukunft haben?

Schleyer: Das sind bestimmte hoheitliche Aufgaben zum Beispiel im Bildungs- und Sachverständigenbereich, weshalb auch die gesetzliche Mitgliedschaft nötig ist. Die Kammern sind die Vertreter aller Handwerksbetriebe, deswegen müssen sie die politischen Interessen vertreten. Und sie werden auch im Dienstleistungsbereich stärker gefordert sein.

Das Benchmarking ist Teil der Organisationsreform des Handwerks. Wann ist mit ersten Ergebnissen zu rechnen?

Schleyer: Allein die Bestandsaufnahme in der Organisation hat schon etwas in Bewegung gesetzt. Zum Beispiel haben sich durch die Erkenntnisse aus ersten Analysen in Niedersachsen vier Innungen zusammengeschlossen, in Brandenburg zwei Kreishandwerkerschaften.

Das Interview führte Anke Richter.

 
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