Vielleicht bist du dir schon ganz sicher – ansonsten hast du die Qual der Wahl. Über 100 handwerkliche Ausbildungsberufe warten auf dich – von A wie Augenoptiker/in bis Z wie Zweiradmechaniker/in. Jeder für sich eine tolle Herausforderung.
Um das herauszufinden, solltest du dir ein paar wichtige Fragen stellen: Welches sind deine Interessen, Eigenschaften und Stärken? Aber auch: Was interessiert dich gar nicht und wo liegen deine Schwächen? Welche Schulfächer machen dir am meisten Spaß und in welchen bringst du die besten Leistungen? Und gar nicht so einfach: Was sind eigentlich deine persönlichen Ziele?
Gespräche mit deinen Eltern und Freunden helfen dir sicherlich bei der Beantwortung dieser Fragen. Wenn du dir über einiges klar geworden bist, können dir die Job-Profis vom BIZ (Berufsinformationszentrum) und der Arbeitsagentur weiterhelfen. Unschlagbar ist natürlich praktische Erfahrung: Bei einem Betriebspraktikum merkst du sehr schnell, was dir Spaß macht und was nicht!
Während der Ausbildung erwirbst du vor allem jede Menge Fähigkeiten, die dich fit machen für deinen weiteren Weg! Du wirst sehen, das wird eine spannende Zeit mit viel Abwechslung, Teamarbeit und auch viel Spaß. Einzige Voraussetzung: Bring dich ein so gut es geht und sei stets offen für Neues. Gerade in kleineren Betrieben rennst du damit garantiert offene Türen ein.
Und danach? Eins steht fest: Handwerker aus allen Bereichen werden immer gebraucht. Auch dir stehen im Handwerk alle Möglichkeiten für Zukunft und Karriere offen – vom Meister bis zum Unternehmer oder Betriebsleiter. Und zwar völlig unabhängig davon, welche Schule du gerade besuchst!
Was brauchst du für die Lehre im Handwerk?
Herkunft: Spielt keine Rolle. Schulbildung: Wichtig. Lesen, Schreiben, Rechnen müssen sitzen. Naturwissenschaften helfen. Talent: Handwerkliches Verständnis. Performance: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Leistung: Das zählt im Handwerk. Dickschädel: OK, Handwerk ist Teamwork. Aber wer richtig was erreichen will, braucht auch schon mal einen Dickschädel...
Denn: „Wissen und Können liegen nicht in der Wiege. Es führt kein Weg über eine gute Ausbildung, die einem dies Schritt um Schritt vermittelt.“ Schön gesagt, nicht? Der Satz stammt ja auch von einem erfolgreichen Handwerksmeister, Joachim Wohlfeil. Er ist heute - neben der Arbeit in seinem eigenen Betrieb - Präsident der Handwerkskammer Karlsruhe und Vorsitzender der „Aktion Modernes Handwerk“. Von seinem Beruf begeistert will er junge Menschen von den Möglichkeiten des Handwerks überzeugen.
Wie ein gutes Computerspiel
Vor fast 50 Jahren hat er in Karlsruhe als Stift angefangen, ausgerechnet beim Vater! Mit dem Lernen hat der Gas- und Wasserinstallateurmeister seitdem nie aufgehört: „Technik ist meine Leidenschaft. Und die entwickelt sich weiter! Und die Kunden wollen halt immer das neueste.“ Deswegen haben Handwerker nie ausgelernt. Der Beruf ist wie ein gutes Computerspiel: Wer eine Ebene geschafft hat, qualifiziert sich damit für die nächste. „Meine Arbeit macht mir Spaß. Ich gehe morgens gerne in meinem Betrieb und bin mit meinem Berufsleben rundum zufrieden“, beschreibt Wohlfeil seine Leidenschaft für das Handwerk. Die Entscheidung für das Handwerk hat der Karlsruher niemals bereut, heute bildet er selber Lehrlinge aus. Es ist ihm wichtig, sein Wissen und seine Erfahrungen weiter zu geben.
Handwerk ist Teamarbeit
Ein großer Handwerksbetrieb wie der von Joachim Wohlfeil passt nicht zu Faulenzern, Eigenbrötlern oder Träumern. Dort arbeitet ein großes Team. Mit ehrgeizigen Lehrlingen. Mit erfahrenen Gesellen und versierten Meistern. Jeder steuert sein Wissen und Können bei. Jeder trägt Verantwortung. Jeder packt an. Und wo nötig, greift jeder auch dem anderen unter die Arme. Für die einen ist es wie in einer eingespielten Fußballmannschaft. Für die anderen ist es ein wenig wie eine gute Familie. „Davon lebt unser Handwerk!“ - das hat Chef Wohlfeil jetzt aber wieder schön gesagt!
Ob das überall so ist? Bestimmt tickt nicht jeder Laden perfekt - aber im Handwerk kann jeder das Seine dazu beitragen, dass es läuft. Und wer was kann, macht halt den Meister und eröffnet sein eigenes Geschäft. Dann kann er seinem Lehrmeister zeigen, wer Recht hat und wer der bessere Boss ist. Im Handwerk von heute werden die Unternehmer von Morgen gemacht. So einfach ist das. Nur: Ohne Ausbildung läuft nix.
Das weiß auch Deutschlands oberster Handwerker. Otto Kentzler wollte eigentlich Fliesenleger werden - weil die seinerzeit am besten verdient haben! Er hat dann aber doch auf die Eltern gehört und Klempner- und Installateur gelernt. Das reichte ihm aber noch nicht. Mit dem Abitur in der Tasche ging er nach Hannover und wurde Maschinenbau-Ingenieur. Damit fühlte er sich dann fit, schon früh den Familienbetrieb „Dach und Wand“ in Dortmund zu übernehmen. Denn sein Vater war im Krieg gefallen, ein anderer Übernehmer nicht in Sicht. Sein Erfolgsgeheimnis ist sehr schlicht: „Ich habe mich auf den Hosenboden gesetzt und gepaukt. Das zahlt sich bis heute aus!“ In der Praxis macht ihm „so schnell keiner was vor“, und in der Theorie war er immer „sattelfest“, auch dank der Berufsschule.
Alle Wege stehen offen
Wenn Otto Kentzler deutsche Städte besucht, besichtigt er meist auch das eine oder andere Dach, das seine Mitarbeiter errichtet haben. Auf Hallen, auf Kirchen, auf Gewerbebauten oder Verwaltungsgebäuden. Seit sein Sohn im Betrieb mitarbeitet hat er selbst in der Bundeshauptstadt Berlin neue Höhen erklommen. Er ist Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks. Jetzt weiß er: „Egal ob Kollege oder Kanzlerin - wer sein Handwerk versteht, wird auch ernst genommen.“
Wer will, macht als Handwerker also auch Politik. Muss er aber nicht.